Wie stellt sich China mit derzeit wirtschaftlich auf? Wie navigiert die Führung zwischen Krisenmanagement und Innovationsstrategie? Zu diesen Fragen gab Prof. Dr. Markus Taube, Co-Direktor des Konfuzius-Instituts, am 7. Juli 2026 seine Einschätzung. Zum Vortrag „Chinas 15. Fünfjahresplan – Krisenmanagement in Zeiten weltwirtschaftlicher Umbrüche“ waren rund 40 Gäste gekommen. Prof. Taube ist Inhaber des Lehrstuhls für Ostasienwirtschaft / China der Universität Duisburg-Essen (UDE). Er ordnete die wirtschaftspolitischen Leitlinien des neuen Fünfjahresplans vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen Chinas ein.


Zu Beginn erläuterte Prof. Taube die grundsätzliche Funktionsweise der chinesischen Fünfjahrespläne. Als gesamtwirtschaftliche Entwicklungsprogramme schaffen sie gezielt Anreize für Investitionen, indem der Staat zunächst Infrastruktur bereitstellt und Absatzrisiken durch zeitlich begrenzte Abnahmegarantien oder Subventionen (ähnlich Abwrackprämie) reduziert. Nach dem Auslaufen staatlicher Förderung folgt ein intensiver Wettbewerb, der zu einer nachträglichen Marktbereinigung führt. Dieses Modell sei gesamtwirtschaftlich zwar effektiv, nicht jedoch effizient, da es mit Überkapazitäten und Anpassungskosten einhergehe. Angesichts des nachlassenden Wirtschaftswachstums stelle sich zunehmend die Frage, ob diese Strategie langfristig finanzierbar bleibt.
Anschließend stellte Prof. Taube zentrale Inhalte des 15. Fünfjahresplans vor. Der Plan umfasst insgesamt 109 Projekte und zeigt eine deutlich erkennbare strategische Ausrichtung auf Versicherheitlichung und Derisking: Insbesondere die Energieversorgung solle widerstandsfähiger und unabhängiger gestaltet werden. Gleichzeitig liege ein Schwerpunkt auf der Entwicklung und Anwendung von Embedded Artificial Intelligence sowie auf Zukunftsindustrien und Schlüsseltechnologien wie der Halbleiterindustrie. Prof. Taube wies darauf hin, dass militärische Anwendungen und Planungen in diesem Kontext im Fünfjahresplan weder berücksichtigt noch ausdrücklich benannt werden.
Am Beispiel der Ziele zur Grünen Transformation ist die zunehmende Bedeutung der Versicherheitlichung deutlich sichtbar. Im Vergleich zum 14. Fünfjahresplan seien die umwelt- und klimapolitischen Zielsetzungen weniger ambitioniert. So werde der Kohleverbrauch nicht weiter reduziert, sondern auf einem konstanten Niveau gehalten. Dies zeigt, dass kurzfristige wirtschaftspolitische Ziele sowie die Sicherung der Energieversorgung derzeit Vorrang vor weitergehenden Klimazielen erhalten. Diese Schwerpunktverschiebung sei Ausdruck der gegenwärtigen wirtschaftlichen Herausforderungen Chinas. Dazu zählen insbesondere die anhaltende Immobilienkrise, der schwache Binnenkonsum, strukturelle Jugendarbeitslosigkeit sowie externe Belastungen der Weltwirtschaft.
Abschließend ordnete Prof. Taube die aktuelle wirtschaftliche Situation Chinas ein. Die gesamtwirtschaftliche Lage bleibe trotz einzelner Fortschritte schwierig. Dies zeigten wichtige Indikatoren wie Industrieproduktion, Investitionen und Einzelhandelsumsätze. Zwar beschleunige der Einsatz Künstlicher Intelligenz die industrielle Transformation, gleichzeitig bleibe die Binnennachfrage, zu sehen an sinkenden Immobilienpreise, stagnierenden Konsums und ausbleibender Einkommenssteigerungen strukturell schwach. Gleichzeitig hob Prof. Taube hervor, dass China entgegen häufig geäußerter Annahmen weiterhin eng in die Weltwirtschaft eingebunden bleibt. Allerdings verändern sich Handels- und Lieferketten zunehmend, sodass sich die internationale wirtschaftliche Vernetzung in neuen Strukturen organisiert.
Der Vortrag machte deutlich, dass der 15. Fünfjahresplan nicht nur wirtschaftliche Entwicklungsziele verfolgt, sondern vor allem auf die Stärkung der wirtschaftlichen Resilienz und Versorgungssicherheit in einem zunehmend unsicheren internationalen Umfeld ausgerichtet ist. Zugleich wurde sichtbar, dass China seine langfristigen Innovationsziele mit den Herausforderungen einer verlangsamten wirtschaftlichen Entwicklung und tiefgreifenden strukturellen Problemen in Einklang bringen muss.
Im Anschluss an den Vortrag war das Publikum wie gewohnt eingeladen, sich mit Fragen und Anmerkungen an den Referenten einzubringen. Viele Gäste nutzten auch danach die Möglichkeit, zum Austausch noch im Konfuzius-Institut zu verweilen. So klang der Abend aus.

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