Peking – dreimal Idealstadt: Idee und Wirklichkeit

Seit Jahrhunderten ist Peking Regierungssitz und politisches Machtzentrum der VR China. Wie hat dies das Stadtbild geprägt? Dazu hielt Dr. Hans-Wilm Schütte am 25. Juni 2026 im Konfuzius-Institut Metropole Ruhr den Vortrag „Peking – dreimal Idealstadt: Idee und Wirklichkeit“. Dabei erläuterte er die städtebauliche Entwicklung Pekings und die dahinterstehenden ideale und Leitbilder in drei prägenden Epochen. Der Referent zeigte anschaulich, dass sich aller Wandel wie in einem Brennglas an Pekings zentraler Nord-Süd-Achse zeigt.

Nach seinem Vortrag nahm sich Referent Dr. Hans-Wilm Schütte Zeit für den Austausch mit mit anwesenden Studierenden

Im ersten Teil stellte Schütte die Stadtkonzeption seit der Gründung Pekings unter Kublai Khan vor. Die „mystisch-imperiale Stadt“ folgte einer klaren Nord-Süd-Achse und spiegelte das konfuzianische Ideal wider, durch die Herrschaft des Kaisers Harmonie zwischen Mensch und Natur zu schaffen. Auch Feng-Shui-Elemente wurden erläutert und Schütte machte deutlich, dass diese jahrhundertealte Stadtplanung bis heute das Stadtbild prägt.

Anschließend widmete er sich der Zeit der jungen Volksrepublik. Unter Mao Zedong entstand die Idee der „proletarischen Heldenstadt“. Nun standen die Bedürfnisse Wohnraum und Industrie, die Ausweitung des Stadtgebiets sowie die Entwicklung eines modernen sozialistischen Stadtzentrums im Vordergrund. Großbauten, auch im sowjetischen Stil und die stärkere Betonung der Ost-West-Achse verdeutlichten den Wandel der städtebaulichen Ideale und den Bruch mit den Leitbildern des Alten Chinas. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde zudem ein erheblicher Teil der historischen Bausubstanz, insbesondere der traditionellen Hutongs, abgerissen, um Platz für die neue Stadtentwicklung zu schaffen.

Im dritten Teil zeigte Schütte die Entwicklung Pekings seit den 1980er Jahren zur „chinesisch-patriotischen Weltmetropole“. Der Ausbau des U-Bahn-Netzes, die Ringstraßen sowie repräsentative Bauwerke wie die Olympiastätten und der CCTV-Tower stehen für das neue Selbstbewusstsein Chinas. Gleichzeitig wurden in dieser Zeit Teile der historischen Bausubstanz erhalten, saniert oder in modernisierter Form wiederaufgebaut. Dennoch bleibt die historische Grundstruktur der Stadt mit ihrer Nord-Süd-Achse weiterhin deutlich erkennbar. An diesen Ausführungen schloss sich eine kurze Diskussion mit dem Publikum über den Denkmalschutz in China an. Dabei wurde deutlich, dass dieser nicht in einer mit Deutschland vergleichbaren Form existiert und der Erhalt historischer Bausubstanz ein anders Verständnis des Erhaltens zugrunde liegt.

Abschließend verdeutlichte Schütte anhand von Beispielen aus Ningbo, Shenzhen und Wenzhou, dass sich auch andere chinesische Städte bei ihrer Stadtplanung an den Leitideen Pekings orientieren. Der Vortrag bot den Zuhörerinnen und Zuhörern einen anschaulichen Einblick in die enge Verbindung von Stadtplanung, Politik und kulturellen Leitvorstellungen und zeigte, wie historische Konzepte bis heute das Gesicht der chinesischen Hauptstadt prägen.

Bericht: Susanne Löhr

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